RC 36/1 - Lady in Red zu verkaufen

    So, nach einer kurzen, gesundheitlichen Pause geht es nun weiter mit der Wahl einer neuen Königin auf zwei Beinen, ähh Rädern.

    Die Yamaha Tracer 700 hatte ich ja schon probegefahren und sie kommt
    dem, was ich zweiradtechnisch so in Zukunft bewegen möchte schon
    verdammt nahe. Durch einige Gespräche angeregt, sollte ich aber die
    große Schwester, die Tracer 900 oder MT 09 Tracer, so die exakte
    Typenbezeichnung, doch auch einmal probieren. Also erstmal jeden
    Testbericht und jedes Video dazu reingezogen, damit man weiß, was einen
    da erwartet und worauf man achten sollte.

    Wichtige Termine lagen heute nicht an, also schnell eine Probefahrt
    telefonisch beim örtlichen Freundlichen avisiert und dann mit dem Roller
    dahingerollert, den nervigen Papierkram erledigt und dem Händler
    erklärt, das man in der zugebilligten Stunde Probefahrt ja gerade mal
    aus der Stadt rauskommt und so bestimmt kein Fahrzeug auf artgerechte
    Bewegung testen kann. Unter der Premisse, das ich den Hobel vollgetankt
    wieder abstelle, obwohl bei Antritt der Tank nur höchstens halb gefüllt
    war, durfte ich mich dann zweieinhalb Stunden mit Tracy vergnügen.

    Also aufgesattelt und hinter der megabreiten Lenkstange Platz
    genommen, das Teil ist einen gefühlten Meter breit (real 95 cm) und
    mündet beidseitig in Handprotektoren, die aus der letzten StarWars
    Produktion stammen könnten, überhaupt sieht und fühlt sich die Tracer im
    Vergleich zur VFR ziemlich spacig und modern an. Als ich losfuhr,
    glaubte ich von irgendwoher die Titelmelodie von StarWars zu hören,
    hmmm, merkwürdig. Da ich zunächst quer durch die Stadt mußte, wählte ich
    für den Anfang den Fahrmodus "B", wie brav, eine ausgezeichnete Wahl,
    wie sich herausstellte. Der Motor nimmt sanft Gas aus der Ride by Wire
    Befehlskette an und dreht munter hoch bis der linke Fuß unter etwas
    lautem klacken die nächste Gangstufe einlegt, was aber sauber und
    zuverlässig vonstatten geht ohne jedes Murren aus der 6-Gangbox.

    Die Sitzposition ist aufrecht und mit 845 mm im Vergleich zur VFR
    schon fast Hochsitz ähnlich, jedenfalls kann man den Fahrern in ihren
    SUV Blechburgen wieder auf Augenhöhe begegnen, was mir als
    tiefergelegter Alfa Pilot jahrelang vergönnt war. Auch eine neue
    Erfahrung. Aber insgesamt ist die Sitz- und Fahrhaltung durchaus bequem
    und angenehm, auch trotz des gewaltigen Star Trooper Steuermoduls. Hat
    man sich einmal daran gewöhnt, - und das geht recht schnell - so möchte
    man garnicht mehr nach vorne gebeugt mit Druck auf den Handgelenken und
    schmerzendem Kreuz rumdüsen. Cruisen macht also schonmal Spaß, zumal
    auch die dritte und vierte Schaltstufe für die Stadt geeignet scheinen.
    Zur Not läßt sich die Seilzugkupplung leicht bedienen, also alles takko
    im Stadtverkehr.

    Jetzt aber raus aus der Betonwüste und rauf auf den Klingenring, das
    recht enge Kurvengeläuf vermittelt schonmal einen ersten Eindruck vom
    Handling der strammen Tracy und das ist verdammt gut. Leichtfüßig
    meistert sie die Bergaufpassagen, läßt sich willig und begierig von
    einer Seite auf die andere legen ohne nach Korrektur zu verlangen, die
    fahrfertigen 212 kg merkt man ihr nicht an. Bei der kleinen, 196 kg
    leichten 700er hatte ich das ja schon fast erwartet, das es ihr die
    große Schwester so behende nachmacht, eher nicht, dabei hatte ich ganz
    vergessen, den Fahrmodus zu ändern, ich war immer noch in "B" wie brav,
    hatte aber dabei nichts an Leistung vermißt. Verändert man einmal die
    Winkelstellung des Handgelenkes, so geht es auch in "B" zügig und ohne
    jedes Leistungsloch zur Sache, Überholvorgänge - kein Problem. Um die
    Mopeds untereinander besser vergleichen zu können, wähle ich wie bei den
    vorherigen Probanten die selbe Strecke, zumindest mal am Anfang, Also
    gehts weiter über Witzhelden, am ehemaligen Honda (Groß)Händler Plütt
    rechts ab Richtung Dabringhausen, dann wieder rechts eine wirklich schön
    zu fahrende Strecke hinab zum Altenberger Dom. Inzwischen habe ich den
    Modus auf "Standard" eine Stufe schärfer gestellt, der Motor nimmt nun
    deutlich spürbar den Gasbefehl direkter an und verwandelt den
    Anstellwinkel in rasanten Vortrieb, der auch mit zunehmender Drehzahl
    nicht abnimmt. Die nächsten Kurven sind schnell erreicht, ohne runter zu
    schalten zügig durchfahren und mit kurzem Dreh wieder rausbeschleunigt.
    Ein kurzer Blick auf die sehr nützliche Ganganzeige sagt mir, das ich
    im fünften Gang unterwegs bin, Upps, gemerkt habe ich es nicht. Die
    heimtückische Radarfalle in Odenthal ist heute kein Problem, da der
    Verkehr durch eine einspurige, ampelgesteuerte Verkehrsführung eh
    ausgebremst wird. Jetzt noch schnell duch den Kreisverkehr und dann
    liegt nach ein paar hundert Metern der Abzweig links vor einem, der uns
    abwechelungsreich mit langen und kurzen Radien links wie rechts nach
    Bechen führt. Ein Schild mit "kurvenreicher Strecke auf 5 km" stellt das
    Lustbarometer nach oben und die süße Tracy enttäuscht uns dabei nicht.
    Ein kurz vor uns auftauchender CLK ist nach einer kleinen Winkeländerung
    der rechten Hand schnell in der Vergangenheit verschwunden. Hmmm, das
    war ja wieder der 5. Gang, runterschalten vergessen, verdammt... Die
    angekündigten 5 km gehen viel zu schnell vorüber und schon rollen wir
    auf den Kreisverkehr in Neschen zu, aber anstatt wie bei den anderen
    Testfahrten vorher links nach Neschen zu lenken, nehmen wir für ein
    kurzes Stück die B 506 unter die Gummies, um sie aber nach der
    Ortsdurchfahrt und dem fetten Husqvarna Händler direkt wieder rechts
    nach Hachenbach zu verlassen. Dem kleinen Sträßchen folgend und auf der
    Tracer thronend, bereitet auch die hundsgemeine, etwas hängende
    Linkskurve kein Problem, die schon so manchen in den Zaum geführt hat.
    Jetzt noch die enge Rechtslinks-Kombi, die vom Berg kommend so dicht an
    den Balkonen vorbeiführt, das man sonntags sehen kann, was für einen
    Kuchen es gibt und am Ende der Straße wieder links ab Richtung Kürten.
    Der Dreizylinder macht richtig Spaß, hat Kraft aus jeder Drehzahl und
    wirkt nie angestrengt oder überfordert, im Gegenteil, ich habe das
    Gefühl, das er weit mehr liefern könnte, als ich abrufe. Jetzt will ich
    es aber wissen und lege den Modi-Schalter auf "A" wie Attacke, vor uns
    liegt eine sehr schön und flüssig zu fahrende Landstraße, die parallel
    zur eben verlassenen B 506 verläuft und deshalb nur wenig befahren ist.
    Nachdem die Stadtgrenze passiert und der Hahn gespannt ist, kommt aus
    dem Großhirn der Befehl "Feuer frei" an das rechte Handgelenk. Jetzt
    legt Tracy los wie das Kölner Dreigestirn auf der großen Prunksitzung,
    kamelle, strüssjer, bützjer, (für die Nicht-Rheinländer: Naschwerk,
    Blumensträußchen, Küßchen) ohne Ende, jede noch so kleine Änderung des
    Gasgriffs wird sofort in vehementen Vortrieb umgesetzt, ohne wenn und
    aber. Jetzt heißt es wirklich festhalten an der breiten Segelstange,
    jetzt drücken satte 115 Pferde mit 88 Nm ihre Hufe in den Asphalt. Ab
    und zu am Horizont auftauchende Dosen sind schnell aufgeschnupft und
    stellen kein Hindernis dar, verdammt, schon wieder dieser 5. Gang...

    Vorbei am beliebten Motorrad-Treff Landhaus Orbach, wo heute, an
    einem Mittwoch, mindestens 60 Motorräder parken, geht es weiter Richtung
    Wipperfürth. Ein kurzer Blick auf den digitalen Chronometer sagt, das
    es bald Zeit wird Richtung Heimat zu steuern, also im schönen kleinen
    Städtchen Wipperfürth nicht rechts ab ins Oberbergische, sondern das
    Blinklämpchen an der linken Seite gesetzt. Doch welch Schreck, auf dem
    nächsten Wegweiser ist die B 237 Richtung Hückeswagen als gesperrt
    angezeigt, also kann ich jetzt doch nicht auf direktem Wege nach Hause
    fahren, sondern muß jetzt einen Umweg nehmen, sooooo ein Pech aber auch.
    Ich entscheide mich, die Tracer vorbei am Segelflughafen Richtung
    Bevertalsperre zu lenken, war ich auch lange nicht mehr. Leider bin ich
    nicht der einzige, der so navigiert, stellt die Tracer aber vor kein
    Problem, auf jedem einsehbaren Stück Asphalt schnupft sich Tracy ein,
    zwei Dosen auf, Attacke-Modus sein dank. Am Ende der Straße schnell
    links den Blinker gesetzt und schon erscheint die Bever auf der rechten
    Seite. Im Schatten der Uferstraße fühlt man sofort eine leichte,
    erfrischend kühlende Brise von der Seeseite. An dieser Stelle sei auch
    die wirklich gute Textilhose Ocovango von Vanucci mal erwähnt, die ich
    mir für die heißen Tage vor kurzen neu gekauft habe, wenn die dicke
    Schwabenleder Pelle mal im Schrank hängen bleibt. Eine wirklich gute
    Investition. Auf dem Seitenstreifen parkt hier Auto an Auto, man will
    wohl noch die letzten schönen Tage der Sommerferien an der Bever
    genießen. Bis vor einigen Jahren war kurz vor der Staumauer auch noch
    ein beliebter Mopedtreff, der zu einem kurzen Päuschen und Schwätzchen
    mit Gleichgesinnten einlud. Jetzt sind hier nur noch Parkbuchten für
    Dosenfahrer zu finden, auf denen sich gerademal 4 Mopeds tummeln. Jaja,
    die alten Zeiten...

    Also zackig vorbeigerollt und dann weiter zu dem kleinen
    Bergsträßchen, wo wir eigentlich von der anderen, gesperrten Seite aus
    hinwollten. Dies führt uns des Weiteren über Scheideweg, Dreibäumen
    vorbei am noblen Golfclub, wo heute verstärkt die Putter und Fünfereisen
    übers Grün fliegen. Hier fällt mir immer wieder die Geschichte ein, als
    mich ein neuer Kunde aus der Golferszene fragt, ob ich denn auch Golf
    spiele. Mein "nein, ich habe noch Sex" führte erstmal zu einer langen
    Gedenksekunde, die dann aber doch in ein herzhaftes Lachen führte. Es
    wurde eine langandauernde Geschäftsbeziehung.

    Da man mir die Maschine nur mit höchstens halbvollen Tank überlassen
    hatte, mußte ich jetzt erstmal eine Tanke suchen, um nicht bei einem mir
    unbekannten Moped volles Risiko zu gehen. Deshalb einen kurzen
    Schlenker nach Wermelskirchen gemacht und Tracy für satte 1,509
    Euro/Liter den Saft ihrer Begierde eingefüllt. Dann am Audi Händler
    abgebogen, am Fliesen Zippa vorbei, wo ich vor 30 Jahren meine
    italienischen Badezimmerfliesen gekauft habe und dann vorbei am Freibad
    Eschbachtal, wo auch noch viele den Sonnentag genießen. Jetzt noch ein
    kurzes, schön kurviges Stück durch den Wald, links ab Richtung Solingen
    Unterburg, vorbei an der Ruine des vor Jahren abgebrannten Rudelbummses
    Beverly, wo wahrscheinlich die letzte Nummer doch zu heiß war. Auch in
    Unterburg ist heute in den Strassencafes soviel Betrieb wie an einem
    guten Wochenende, der Begriff "über die Wupper gehen" hat hier keine
    Bedeutung, man fährt einfach über die Brücke, vorbei an der Drehscheibe
    für die umweltfreundlichen Solinger Oberleitungsbusse. Jetzt folgen noch
    einige schöne Kurvenkombinationen mit unterschiedlichen Radien, von
    weit bis fast Spitzkehre, die die Tracer nun wieder im B (brav) Modus
    mit permantem Zug an der Kette, egal in welchem Gang sauber den Berg
    hochzieht. Oben angekommen ist das Stadtgebiet von Solingen wieder
    erreicht und es gilt nur noch die Tracer zum Händler zurück zu bringen.

    Zum Fahrwerk möchte ich keine abschließende Beurteilung abgeben, da
    ich auch nicht weiß, wie es bei Fahrtantritt eingestellt war, es schien
    mir recht straff aber keineswegs zu hart oder unkomfortabel zu sein,
    Fahrbahnunebenheiten wurden weggebügelt ohne Unruhe ins Gefährt zu
    bringen, auch schlechte Untergründe wurden sicher überfahren, da hatte
    ich mit der VFR schon andere Erfahrungen. Beim harten Anbremsen tauchte
    die Gabel vorne etwas tief ein, allerdings ohne auf Block zu gehen oder
    je den Eindruck der Unfahrbarkeit zu vermitteln. Ich muß allerdings
    erwähnen, das ich heute noch ein 2017er Modell gefahren habe, diese
    Baustelle hat Yamaha aufgegriffen und schon im Modelljahr eine
    verbesserte Variante eingebaut. Auch die aktuelle 2018er Tracer hat
    nochmals eine Überarbeitung erhalten, das müßte man nach korrekter
    Einstellung mal austesten.

    Die Bremsen der Tracer 900 geben keinerlei Rätsel auf, die vorderen
    Kolben packen zuerst leicht, dann mit wachsender Handkraft immer
    kräftiger zu, sind also wohldosierbar, auch die hintere Bremse zeigt
    Wirkung, im Gegensatz zum hinteren Stopper der kleineren 700er
    Schwester, die fast ohne Wirkung mitfährt. Alles Einstellungssache
    spricht der Händler...

    Zusammenfassend kann man sagen, das die große Tracer eine richtige
    Spaßmaschine ist, mit einem Sahnemotor, dessen 3 Zylinder so ziemlich
    jede Fahrsituation souverän meistert und dem geneigten Piloten ein
    Dauergrinsen ins Gesicht meißelt. Fahrwerk und Bremsen sind passend und
    geben keine großen Rätsel auf. Lediglich die zweigeteilte Sitzbank ist
    mir zu unbequem, schon nach einer Stunde tat mir der Hintern weh, wurde
    dann zwar nicht schlimmer, aber komfortabel ist anders. Hier muß an Form
    und Polsterung dringend nachgebessert werden. (hat man sich beim 2018er
    Model auch angenommen) Vergleichend kann man sagen, das die große
    Schwester alles kann, was die kleine 700er auch kann, nur eben alles ein
    wenig souveräner und besser. Ob man es wirklich in unseren Breiten
    braucht, muß jeder für sich selbst entscheiden und genau diese Frage
    wird mir wohl auch einige schlaflose Nächte bescheren...
    Ist mir ein Rätsel wie das geht,
    die ganzen Eindrücke so in Worte zu fassen ?
    Aber Klasse gemacht ! ;)
    Grüßle Martin
    wünsche allen, fahrt schräg und kommt gesund heim
    "Statt zu klagen, dass wir nicht alles haben, was wir wollen,
    sollten wir lieber dankbar sein,
    dass wir nicht alles bekommen, was wir verdienen."
    (Dieter Hildebrandt)

    norace schrieb:

    Ist mir ein Rätsel wie das geht,
    die ganzen Eindrücke so in Worte zu fassen ?
    Aber Klasse gemacht ! ;)

    Danke für euer Interesse an meiner Neufindung.
    Das Schreiben ist garnicht so schwer, geht mir ziemlich flott aus der Feder, man muß nur erst einmal damit anfangen.
    Berufsbedingt muß ich als Grafik-Designer eine gewisse Kreativität mitbringen, gepaart mit einer guten Auffassungsgabe, die ich für neue Kunden und Projekte zwingend benötige. Mischt man das mit einem guten Gedächtnis ist der Bericht fast schon fertig.
    Für ein anderes Hobby verfasse ich regelmäßig Berichte für entsprechende Fachzeitschriften.

    bike.mike schrieb:

    Da würde mich mal ein vergleichender Probefahrtbericht über die Africa Twin (mit DCT) von interessieren


    Ich denke, die Africa Twin wird es im Vergleich zur Tracer schwer haben. Der Motor der Tracer ist wesentlich spritziger, das Handling wesentlich agiler. Wenn man dagegen ein wirklich gemütliches und solides Langstreckenfahrzeug sucht, oder unbedingt DCT fahren möchte, wäre die AT meiner Meinung nach das richtige Moped.

    @werbefuzzi : Super geschrieben! Vielleicht solltest Du mal über das ein oder andere Buch nachdenken...

    Als Alternative zur großen Tracer käme vielleicht auch noch die Multistrada 950 in Frage?
    Lässt sich für einen V2 auch sehr harmonisch fahren, hat gefühlt auch wesentlich mehr PS als angegeben, hat eine sehr gutes Fahrwerk ab Werk und ist auch meiner Meinung nach sehr bequem.
    Grüße, Markus


    Wo kein Wille ist, ist auch ein Weg... :saint:
    Ein Kollege und Fireblade-Kumpel von mir hatte vor einigen Wochen mit der guten SC33 nen Zusammenstoß mit einem Rehbock.
    Zum Glück ist Ihm und seiner Sozia nichts Gröberes zugetoßen.

    Nachdem er sich in eine BMW R1100 S oder RS verkuckt hatte und das Dingen Probe fahren wollte, hab ich Ihm den Tipp gegeben, dass der zu besuchende Händler auch ne S 1000 XR als Vorführer da hat und er sich den Apparat mal anschauen und fahren sollte. Er wollte ja jetzt etwas im aufrechter Sitzposition haben.

    Beim Händler angekommen, wollten Sie Ihm ne GS zum Probefahren geben, Die er aber abgelehnt hat. Die R 1100 sei in kurzer Zeit nicht so schnell fahrbereit zu machen.
    Also hat er nach der XR gefragt und hat Sie dann auch gleich fahren dürfen/Können.
    Als er von der Probefahrt zurück kam und man Ihm sagte, dass Die R demnächst einsatzbereit wäre, hat er nur gegrinst und gesagt: Brauch ich nimmer! Ich weiß jetzt Was ich will!

    Und vorletzten Samstag hat er dann eine 4 Monate junge XR mit ein paar Kratzern relativ günstig geschossen.

    werbefuzzi schrieb:

    lammy schrieb:

    S1000XR...könnte tatsächlich eine Alternative sein... :thumbup:
    Nett, aber viel zu fett... :)
    Joup,
    Nüx fürs Gelände, so wie die CT ein Crossover-Modell mit angenehmer Sitzposi... ;)

    Ein ähnlich leichtes Handlung wie die CT, trotz Gewicht, mit Abstrichen in Sachen HONDA-Komfort spezieller Natur... :D
    Every man has a right to his opinion, but no man has a right to be wrong in his facts.

    Neu

    Bei dem tollen Wetter gestern hatte ich am frühen Nachmittag überhaupt keine Lust mehr, hinter dem Schreibtisch zu hocken und auf der Tastatur rumzuhämmern, also den Wastl-Roller rausgeholt und ab zum Freundlichen mit dem Flügelemblem. Durch einige Benzingespräche aufmerksam geworden, wollte ich mir die NC 750X mit DCT-Getriebe einmal anschauen. Eine Automatik beim Motorrad konnte ich mir zwar bislang nicht vorstellen, ich wollte mir aber hinterher nicht vorwerfen, es nicht wenigstens einmal probiert zu haben und interessiert hat es mich schon, wie sich sowas denn in der Praxis fährt. Gelesen hatte ich im Vorfeld schon einiges darüber, auch daß das aktuelle DCT der dritten Generation erheblich verbessert worden war, neue, zusätzliche Fahrmodi erhalten hatte und nun praxistauglich die richtige Gangstufe vorwählt.

    Eigentlich wollte ich erstmal nur probesitzen und vielleicht noch ein paar Infos rauskitzeln, als ich dann auf dem Bock platzgenommen und eine Einweisung ins DCT erhalten hatte, könnte ich doch auch direkt eine Probefahrt dranhängen, so jedenfalls meinte der Händler. Ich mußte mich nicht lange bitten lassen, warum eigentlich nicht, Wetter, Lust und Laune spielten mit, allerdings hatte ich nur das sommerliche Rolleroutfit an, also schnell noch Daheim vorbeifahren und die Mopedklamotten überziehen. Den Starterknopf gedrückt, D-Modus vorgewählt und etwas Gas gegeben. Sanft rollt die NC los, besser hätte ich es mit Kupplung auch nicht machen können, die Gangwechsel erfolgen unmerklich und schnell, werden lediglich mit einem mittellauten klacken registriert, das mit einem leichten jaulen untermalt wird. Vor uns liegt jetzt erstmal ein langer steiler Berg, der nach einer Kurvenkombination zweispurig ausgebaut ist, mal sehen, wie sich die NC darauf so schlägt. Die Honda zieht sauber los und lauert hinter der Dosenkaravane bis sich die zweite Spur auftut, um dann an jener vorbeizustürmen, so die Theorie. Aber upps, - die Winkeländerung der Gashand wird so gut wie garnicht in Vorwärtstrieb umgesetzt, ein Blick auf die Ganganzeige erklärt auch warum. Auf dem kurzen ersten Bergaufstück hatte der D-Modus schon bis in den 5. Gang hochgeschaltet, da konnte mit 55 angespornten Pferdchen auch nicht mehr viel passieren. Also schon die erste Lektion gelernt, D-Modus heißt dahindümpeln und Sprit sparen, also eher was zum cruisen im dicken Gang.

    So, zuhaus schnell die Klamotten gewechselt, jetzt konnte es losgehen. Die Peripherie des Stadtgebiets lag schnell hinter uns, jetzt den Blinker links gesetzt und auf kurvenreichem Geläuf hinunter zur Wupper, wo im Landhaus Wupperhof seit diesem Sommer ein sehr guter Grieche seine Gäste in Bergischem Ambiente bewirtet. Jetzt wartet nach dem Überfahren der alten virtuellen Startlinie der Klingenring auf uns. Damit die Fahrfreude nicht wieder dem Dümpel-Modus zum Opfer fällt, habe ich bereits den Sportmodus 3 eingestellt, mal sehen, was der so zu bieten hat. Die Gänge werden nun deutlich höher ausgedreht, beim anbremsen schaltet der Automat selbsttätig einen Gang runter, die Gasannahme erfolgt nun deutlich direkter. Allerdings wählt das DSG teilweise eine andere Fahrstufe als ich manuell geschaltet hätte. Ist zwar anfangs etwas ungewohnt, aber durchaus fahrbar.
    Meine Teststrecke ist heute leider mit zahlreichen Baustellen gespickt, hier zeigt sich aber unerwartet eine der Stärken des DSG, Stop and Go-Verkehr wird ausschließlich mit der rechten Hand erledigt, ruckfreies anfahren und abbremsen erledigt sich spielerisch einfach. Kein kupplungsziehen, halten, einkuppeln, auskuppeln, schalten, wieder auskuppeln und Leerlauf einlegen, diese ganze Litanei entfällt völlig. Hier zeigt das DSG seine ganze Stärke und Überlegenheit gegenüber der normalen Schaltbox, Stadtverkehr, Baustellen und Staus verlieren so ihren Schrecken, die linke Hand hat heute frei und wird nur zum blinken benötigt oder um Gleichgesinnte zu grüßen. Lediglich wenn man der "Gierbox" seinen Willen aufzwingen will, werden noch Daumen und Zeigefinger für die manuellen Gangwechsel per Taster benötigt, doch dazu später mehr.
    Um die Vergleichbarkeit der gefahrenen Mopeds möglichst zu gewährleisten, ist die Teststrecke wieder gleich, also geht es beim ehemaligen Honda Händler wieder rechts ab Richtung Dabringhausen und dann weiter zum Altenberger Dom. Auf diesem kurven- und abwechselungsreichen Geläuf bergauf und -ab wechsele ich die Schaltmodi mal durch, wie schon erwartet, macht der D-Modus im freien Feld weder Sinn noch Spaß, er taugt nur zum spritsparenden cruisen. Die drei "Sportmodi" sind zwar schon um einiges fahrbarer, die Gänge werden länger gehalten und höher ausgedreht, aber wirklich Spaß macht nur der flotte Dreier, der schärfste. Nach der Ortsdurchfahrt von Odenthal muß ich mich leider hinter einer Blechkaravane einreihen, die von einem landwirtschaftlichen Großgerät angeführt wird. Eigentlich schade, denn das Schild "kurvenreiche Strecke" verheißt ansonsten Fahrspaß im bewaldeten Kurvengeschlängel mit unterschiedlichen Radien. So beschäftige ich mich noch einmal mit den Schaltmodi, allerdings lasse ich "D" wie dümpeln außen vor, das macht beim überholen überhaupt keinen Sinn. Auch der erste Sporti kommt nicht so recht aus dem Quark, der zweite ist zwar schon etwas engagierter bei der Sache, erspart einem aber meist auch nicht das manuelle Eingreifen vor dem Überholvorgang. Lediglich die dritte Sportstufe hält die Gänge auch etwas länger, bis sich eine geeignete Möglichkeit zum ungefährdeten Überholen auftut. Dabei muß man aber immer wissen, das man hier mit einem 55 PS Motorrad unterwegs ist, das keinesfalls so angast wie die VFR mit fast doppelt soviel Leistung. Diesen Unterschied merkt man wirklich deutlich und sollte dies auch bei seinen Fahrmanövern immer vor Augen haben. Nachdem ich gemerkt hatte, das mir der Automat nicht immer die richtige Gangwahl zum Überholen zur Verfügung stellt, habe ich dazu manuell über die beiden Fingertaster am linken Lenkerende eingegriffen. Dies funktioniert aber nur dann gut, wenn ich unmittelbar danach auch gasgeben und beschleunigen will. Hat man aber beispielsweise Streckenkenntnis und weiß, das nach der nächsten Kurve eine Überholmöglichkeit besteht und schaltet dann vor oder in der Kurve schonmal vorsorglich einen Gang runter, so kann es sein, daß das DSG zwischenzeitlich automatisch wieder einen höheren Gang einlegt und einem die Tour gehörig vermasselt. Passiert nicht immer, hat mich gestern aber das eine oder andere Mal geärgert, da ich vor bestimmten Aktionen schon gerne den dazu nötigen Gang im manuellen Getriebe vorgewählt habe.
    Nach der Ortsdurchfahrt Bechen geht es wieder ein kurzes Stück über die B506, um dann wieder über kleine kurvenreiche Sträßchen zur sehr schön zu fahrenden parallel verlaufenden Strecke zu gelangen. Liegt der Kreisverkehr am Ortsausgang von Kürten hinten einem, erwartet uns eine sehr schöne, flüssig zu fahrende, kurvige Strasse mit meist wenig Verkehr. Hier ist die NC in ihrem Element und das DSG zeigt, was es kann. Bei zügiger Fahrweise werden die Gänge sauber hochgedreht, die Gangwechsel passen und werden so vorgewählt, wie ich auch mit manuellem Getriebe fahren würde. Einzelne Fahrzeuge zu überholen ist jetzt kein Problem, die vorgewählte Gangstufe paßt jetzt fast immer oder kann mittels Daumendruck kurz korrigiert werden. So im Fluß macht die NC richtig Spaß, Der Motor liefert auch untenrum richtig Drehmoment, darauf ist er abgerichtet, schließlich ist bei etwa 6.500 Umdrehungen auch schon das Ende der Fahnenstange erreicht. Ist ja auch klar: halber Motor, halbe Drehzahl. ^^ Auf diesem flüssig zu fahrenden Streckenteil kommt Freude auf, beim gaswegnehmen wird zügig der nächstniedrigere Gang eingelgt und unterstützt zusätzlich mit der Motorbremse den Bremsvorgang, was anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist, hat man den Bogen aber mal raus, kann man diese Eigenschaft aber für sich arbeiten lassen und ein leichtes anbremsen nur durch kurzes gaswegnehmen mit einsetzender Motorbremse erzielen.
    So im Fahrrausch ist die alte Hansestadt von Müller-Wipperfürth viel zu schnell erreicht, dank DSG verliert auch die Großbaustelle im Stadtkern ihren Kupplungshandschrecken. Wir müssen also wieder den Umweg über die Bevertalsperre nehmen, wo sich bei schönstem Badewetter noch einige Sonnenhungrige tummeln oder auf dem Wasser segeln. Als Motorradtreff hat die Staumauer jedenfalls ausgedient, ein einziges Zweirad steht sich hier noch die Reifen platt. Jetzt weiter über kleine und kleinste Sträßchen über Dreibäumen, Buchholzen nach Wermelskirchen. Am vorbeifliegenden Golfplatz suchen Scharen von kurzberockten Anhängerinnen des grünen Sportes nach ihren Bällen. Ja mei, wenn's Spaß macht...
    Über kurviges Geläuf geht es wieder den Berg hinab, unter der Autobahnbrücke durch und dann am Freibad Eschbachtal vorbei, wo sich noch einige Unendwegte dem kühlen Nass hingeben. Die Strecke mit unterschiedlichen Belägen und Kurvenradien dient nochmal zum ausloten des Fahrwerks und bestätigt den auch schon zuvor vermittelten Endruck. Das Fahrwerk ist auf den ersten Blick recht straff abgestimmt, ohne allerdings unangenehme Härte aufkommen zu lassen. Das ist mir bei allen gefahrenen Bikes aufgefallen, die Fahrwerke sind alle recht straff ausgelegt mit mehr oder weniger gelungenen Abstimmungen. Während bei langsamer Fahrt Fahrbahnunebenheiten, Teerflicken und Schlaglöcher von der NC noch recht deutlich vermittelt werden, nimmt diese Eigenschaft mit zunehmender Geschwindigkeit deutlich ab. Jetzt werden die Fahrbahnmakel einfach weggebügelt, die Federelemente reagieren deutlich sensibler und souveräner. Kurzum, das Fahrwerk der NC macht in dieser Fahrzeugklasse richtig Spaß und ist deutlich besser abgestimmt als beispielsweise das der Yamaha Tracer 700. Die Sitzposition ist auf beiden Maschinen sehr ähnlich, aufrecht, mit offenen Kniewinkel und breitem Lenker, wobei die NC ein klein wenig vorderradorientierter wirkt, der Knieschluß paßt dank optimaler Einbuchtungen im Tank ausgezeichnet. Apropos Tank, genaugenommen handelt es sich hier um eine Tankattrappe, in der sich ein 22 Liter großes Staufach befindet. Der eigentliche Tank hat mit etwa 14 Litern seinen Platz unter der Soziasitzbank gefunden. Das erinnert mich an die frühere Werbung eines großen deutschen Automobil Herstellers mit den vier Ringen: "wo ist der Tank...?"
    Die NC750X mit DSG-Getriebe ist mit 229 kg zwar kein Leichtgewicht und deutlich schwerer als die anderen gefahrenen Bikes, aber rollt die Fuhre einmal, ist davon nichts zu spüren und die Honda läßt sich spielend leicht einlenken und umlegen. Vom Fahrwerk und Handling ist die NC wirklich top und macht kräftig Spaß, nicht nur in der Preis/Leistungsrelation.
    Die Bremsen machen das, was sie sollen, sie bremsen, nicht mehr oder weniger. Der hintere Einkolbenstopper hatte so gut wie keine Bremswirkung, ob sie vor meiner Testfahrt überhaubt mal benutzt wurde weiß nur der Wind, der den Bremsstaub weggetragen hat. Vorne ist eine 320 mm große Scheibe mit Doppelkolben auf der rechten Radseite zu finden, sie bremst die NC ordentlich ab, ohne jetzt Bestwerte zu setzen, paßt aber schon. Ob die eine Scheibe bei Dauerbelastung in den Alpen reicht vermag ich nicht zu sagen, wird sich auch erst vorort abschließend klären lassen.
    Die Sitzbank paßt zur Sitzposition und ist durchaus als bequem zu bezeichnen, insbesonders, da mich am Wochenende die Hexe ins Kreuz geschossen hat. Aber weder Fahrwerk und Bank gaben Anlaß zur Kritik und die hinterhältige Hexe blieb während der Probefahrt in ihrem Knusperhäuschen. Kurz vor Rückgabe des Fahrzeugs habe ich die Maschine noch vollgetankt, nach etwa 130 km Probefahrt paßten 4,53 Liter Kraftstoff ins Heck, ein absolut erstaunlicher Wert.

    Fazit:
    Zusammenfassend kann ich sagen, das ich von der NC mit DSG durchaus beeindruckt war, Das Handling ist klasse, das Fahrwerk in dieser Fahrzeugklasse wirklich gut und auch der akustisch auf V2 getrimmte, drehmomentorientierte Motor ist mit seinem angenehmen dumpfen Klang nicht von der schlechten Sorte. Allerdings muß man beherzigen, das hier bei etwa 6.000 Touren Zapfenstreich ist, also dort, wo normalerweise die Kapelle erst zu spielen anfängt. Das muß man wissen und auch wollen, dann kann man auch ein 55 PS Moped zügig und mit Spaß bewegen. Ein echter Kritikpunkt ist das überfrachtete, viel zu kleine farbige Display, das sich bei normalem Tageslicht sehr schlecht einsehen läßt und auch auf zu engem Raum viel zu viele kleine Anzeigen bereitstellt.
    Hätte die NC 20-25 PS mehr und eine zweite Bremsscheibe, wäre sie ein ernstzunehmender Kandidat, aber auch so erklärt sich, warum die NC-Familie Hondas meistverkauftes Modell ist.

    Die Afrika Twin habe ich mir natürlich auch angesehen, ist aber nicht das, was ich will, zu groß und zu schwer.

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